[Aachen] Demo für Carlo Giuliani

Am Freitag, den 22. Juli fand in Aachen eine Demonstration in Gedenken an Carlo Giuliani statt. Carlo wurde 2001 im Rahmen der Proteste gegen den G8-Gipfel in Genua von Carabinieri (paramilitärische Polizeitruppen) gezielt erschossen. Sein Tod wurde in den Polizeikasernen Genuas, dem Austragungsort des Gipfels, mit Sekt und dem Hitlergruß gefeiert.

Doch die Ermordung Carlos war lediglich „die Spitze des Eisberges“, wie es in einer Rede bei der Auftaktkundgebung am Theaterplatz hieß.
So stürmten Polizist*innen beispielsweise in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 2001 die Diaz-Schule, in der G8-Gegner*innen ünbernachteten. Dabei schlugen sie auf die Schlafenden ein, was mehr als 60 Schwerverletze zur Folge hatte. Gerechtfertigt wurde dieser Überfall mit gefälschten Beweisen, wie z.B. von der Polizei mitgebrachten „Molotov-Cocktails“.

Bei den Gipfel-Protesten Inhaftierte wurden auf der Polizeikaserne Bolzaneto gefoltert: Sie mussten sich nackt ausziehen, wurden gepeinigt, verhöhnt und geschlagen, Piercings wurden herausgerissen und sie wurden gezwungen faschistische und antisemitische Lieder zu singen.
Doch auch die vielen Demonstrationen wurden von der Gewalt der Polizei überschattet. Demonstrant*innen, Journalist*innen und Ärzt*innen wurden auf brutalste Weise von der Polizei verprügelt und mit Tränengas beschossen.

Hingewiesen wurde in der Rede auch auf die Repression gegen Stuttgart21-Gegner*innen oder die Demokratiebewegungen in Nordafrika. Doch auch zwei aktuelle Fälle aus Aachen wurden berichtet, welche am 20. Juli mittels einer Kundgebung vor der Polizeiwache in der Kasernenstraße kritisiert wurden.

Die Demo lief lautstark durch die Innenstadt. Dabei kam es immer wieder zu kleineren Schikanen seitens der Polizei, wie beispielsweise das Verbot, Einzelpersonen auf dem Gehweg anstatt auf der Straße laufen zu lassen. Bereits im Vorfeld machte die Polizei deutlich, wie sie Kritik an ihrem repressiven und tödlichen Vorgehen aufnimmt: mit schikanösen Demo-Auflagen. Es war beispielsweise Verboten einen „schwarzen Block“ zu bilden und es sollte zwischen Transparenten drei Meter Abstand gehalten werden. Diese Auflagen wurden allerdings nicht durchgesetzt. Beizeichnend sind sie trotzdem. Während der Demo hielt sich die Polizeo allerdings weitesgehend zurück.

Da die Route der Demo sehr lang war, war gegen Ende bei vielen die Luft raus, sodass wohl alle froh waren, als die Demo endlich nach über zwei Stunden am Autonomen Zentrum ankam, wo noch gemütlich beisammen gesessen wurde. Die Gemütlichkeit wurde allerdings dadurch getrübt, dass in der Gegend eine größere Gruppe von Nazis unterwegs war, die offenbar darauf aus war, Demoteilnehmer*innen abzufangen.

Schön war, dass einige Genoss*innen aus anderen Städten teilgenommen haben. Vielen Dank an dieser Stelle an Euch!

Carlo lebt in unseren Kämpfen weiter.
Von Aachen bis nach Genua.