Der Bruch mit der Autorität

Folgender Text wurde uns empfohlen:

- und seine tödlichen Folgen

Am 20. Juli 2001 wurde unser Gefährte und Komplize Carlo Giuliani in Genua/Italien während eines Angriffes auf ein Auto der Carabinieri (italienische, paramilitärische Polizei) von einem der uniformierten Insassen erschossen. Carlo war an diesem Tag einer von Hunderttausenden, die die gegenwärtige Organisierung der Gesellschaft in Frage stellten und sich den Beziehungen von Macht, Ausbeutung und Entfremdung widersetzten.
Vielen sind diese Tage in Genua besonders dadurch im Gedächtnis geblieben, da die repressiven Einheiten, legitimiert durch Regierung und Presse, unzählige Menschen niederknüppelten und erniedrigten, wobei der Mord an Carlo, das Massaker in der Diaz-Schule und die anschließende Folter in der Bolzaneto-Kaserne die traurigen Höhepunkte dessen bildeten. Wir werden die blutigen Bilder dieser Tagen nie vergessen, und für die folgenden Jahren nährten diese Erinnerungen unseren Hass auf jegliche Form der Autorität.

Auf den Straßen dieser Stadt mischten sich sehr unterschiedliche Menschen. Manchen ging es um eine Demokratisierung dieser Gesellschaft, um eine Verbesserung innerhalb des gegebenen Rahmens, welche ihrer Meinung nach durch gesetzeskonforme Mittel zu erreichen wäre. Manche dachten, die Unzufriedenheit der Protestierenden für ihre politischen Ziele ausnutzen und vereinnahmen zu können. Viele trafen zum ersten Mal auf die rohe Gewalt des Staates, die andere schon längst kannten – durch Abschiebungen, Schikanen und Verhaftungen. Und es gab einige, die sich dafür entschieden, ihrem Zorn militant Ausdruck zu verleihen und außerhalb der gegebenen Regeln zu agieren. Banken, Autos, Konsumtempel, der Knast „Marassi“ und die bereitstehenden faschistischen Berufsschläger der Carabinieri, der Polizei und der Guardia di Finanza wurden zur Zielscheibe dieser Wut. In diesen Stunden und Tagen durchbrach die gegenseitige Solidarität dieser Menschen die kapitalistische Realität und breitete sich außerhalb der üblichen Kreise aus: beispielsweise bei der Plünderung eines Supermarkt, bei der sich zahlreiche PassantInnen und AnwohnerInnen beteiligten, oder bei den Attacken gegen die Staatsbüttel.
Ein Angriff einerseits, aber auch ein Schrei nach Freiheit und Selbstbestimmung andererseits, wie er damals nicht nur Genua, sondern beispielsweise auch in Prag und Göteborg vernommen werden konnte.
Gerichtet an die, die über uns richten und walten wollen, die Großmächte und deren Politik im Speziellen, aber auch gegen jene, die uns tagtäglich spürbar schikanieren und das Bestehende verteidigen.
Die, die unser Leben als Experimentierfeld missbrauchen. Die, die sich alltäglich mit neuen Mitteln der Aufstandsbekämpfung befassen, die die Gesetze zu ihren Gunsten auslegen und alles dafür geben die Verhältnisse von Hierarchie, Ordnung und Kontrolle aufrecht zu erhalten.

Auf dass diese Realität in sich zusammen bricht…..

Diesen Schrei von damals haben wir nicht vergessen, denn er klingt nach wie vor in unseren Ohren.
Am Samstag, den 16. Juli, werden wir auf den Straßen Kreuzbergs sein, 10 Jahre nach den tödlichen Schüssen von Genua, um Carlo zu gedenken, aber auch um dem aktuellen Trend von Sicherheit und Repression unsere Wut entgegenzusetzen. Gegen die verdeckten ErmittlerInnen, die verzweifelt irgendwelchen staatsfeindlichen VerbrecherInnen auflauern und ganze Kieze belagern oder gegen die Möchtegern-Bullen à la Ordnungsamt oder Quartiersmanagement, die meinen unser aller Leben regulieren zu müssen. Weil die Polizei auch hier in Berlin Morde begeht, wie den an Dennis aus Neukölln oder an Slieman aus Schöneberg.

Ein tödlicher Schuss, wie ihn Carlo und viele andere erfahren mussten, ist nur die Spitze des Eisbergs und zeigt uns die Aussichtslosigkeit der Herrschenden gegen all die Unkontrollierbaren dieser Welt.

Carlo werden wir nie vergessen, genauso wenig wie die zornigen Tage von Genua und die Tatsache, dass wir nicht allein mit unseren Ideen einer herrschaftsfreien Gesellschaft stehen. Das zeigen uns die alltäglichen, kleineren und größeren Episoden, in denen unterschiedlichste Menschen ihrer Unversöhnlichkeit gegen diese Ordnung Ausdruck verleihen.

Für einen kompromisslosen Bruch mit jeglicher Autorität!
Für den sozialen Aufstand!

einige Anarchist_innen

Quelle: http://www.abc-berlin.net/der-bruch-mit-der-autoritaet