Aufruf aus Italien

In Italien wird dieser Aufruf verbreitet:

Es ist zu spät, um ruhig zu bleiben

Die Spannung im Land steigt von Tag zu Tag. Der Kampf, den wir leben, verkörpert die gegenwärtigen und zukünftigen sozialen Notlagen, er betrifft die Arbeiter und die Volksmassen, die nicht länger einer solchen Situation unterliegen können. Unsere Würde und unser Stolz bewegen uns in Verbindung mit diesem Bewusstsein dazu, das gesamte System zu bekämpfen. Der Kampf bringt uns dazu, uns mit jedem zusammenzutun, der all das nicht akzeptiert: Studenten, Arbeiter und Arbeitslose, die sich an ein rebellisches Szenario beteiligen.

Wir wollen den Staat und die Bonzen bekämpfen, ohne uns hinter Masken und niederträchtige Absprachen zu verstecken, wie jene, die wir als tägliche Praxis der Gewerkschaften und „linken“ Parteien erleben, die gerade am Zug sind.

Beginnend mit dem studentischen Herbst und bis hin zu den jüngsten Arbeiterprotesten von Genua bis Kampanien unterstützen wir komplizenhaft sämtliche „Gewaltakte“, die sich in dieser letzten Kampfperiode diffus ereigneten und von den wesentlichen Kern negierenden und eine ganze Generation bekämpfenden Gewerkschaften, Parteien, Ja-Sagern, Journalisten und sogar „Papierhelden“, die sich, der Wertschätzung einer ganzen Nation erfreuen, wie Saviano, immerzu kritisiert wurden.

Wir unterstützen sie, weil wir überzeugt sind, dass wir die Wut in die Aktion des revolutionären Kampfes kanalisieren müssen. Hierin wollen wir Studenten, Arbeiter und Arbeitslose einbeziehen, damit die Aktion eine schlüssige Sinngebung erhält, jenen, die noch nicht Begriffen haben ein Zeichen gibt und dieses Land zum Bewusstsein dessen verhilft, was wir spüren. Die „verwaschenen Fahnen“, die Streiks und die Landesweiten Demos an Wochenenden genügen nicht mehr und sie haben auch nie etwas genützt.
Wir sind davon überzeugt, dass der politische und gewerkschaftliche Reformismus in Italien durch dem Absprachen und Schweigen im Sold der Bonzen zur Entstehung dieser Lage beigetragen hat. Wir erkennen uns in ihnen nicht wieder, wir haben keine politischen Vertreter und wir wollen auch keine haben. Wir wenden uns an jene, die begriffen haben, dass das Vertrauen auf jene, die im Sessel sitzen und Debatten schleudern nicht der Weg ist, um etwas zu verändern. Der wahre Feind ist nicht eine Gelmini oder ein Marchionne. Es ist das gesamte System, das derlei individuen erzeugt, vor der Gelmini haben wir mit der Moratti und mit Fioroni Bekanntschaft gemacht. Das Problem ist im gesamten wirtschaftlichen und politischen System verankert. Wir vertrauen auf unser Gewissen/Bewusstsein (Der Begriff „Coscienza“ im Originaltext bedeutet beides, d.Ü.) und auf unsere Not. Es ist nicht mehr die „Freude am Beisammensein auf der Piazza“ die uns bewegt, sondern die Wut, die uns durchströmt. Wir können es ohne die „Fahnen“ derer tun, die ihren Hut auf eine generationsbasierte Kampfbewegung setzen wollen, die vor zehn Jahren ohne Parteien und Schwätzer geboren wurde.
Ein Beispiel für den Ausdruck dieser Gefühle ist jener 14. Dezember in Rom gewesen, der uns schon so vorkommt, als läge er weit zurück, und als nicht wiederholbar, so sehr haben wir uns damit aufgehalten, in Erinnerungen zu schwelgen und dessen Resultat, den erzeugten Konflikt, zu feiern.
Nach jenem triumphalen Sieg hat sich die Studentenbewegung ausgebremst, wenig später war sie tot, zum x-ten Mal. WIR HABEN ES NICHT GEWOLLT, einen Schritt weiter zu gehen, die Spannung weiter zu erhöhen, den Konflikt auszuweiten, und einen Weg fortzusetzen, der den Ausgang von vielen niederträchtigen Repressionsstrategien hätte umkehren können, die jetzt, auf unserer Haut, ihren Sieg auskosten, von Florenz bis Palermo, von Genua bis Bologna, über Padua. Von dieser Stelle wollen wir ausgehen, vom schrecklichen Fehler des nicht Wollens einer Generalversammlung nach dem 14. Dezember, die, wie wir glauben, der durch die Phase des Abebbens geschwächten Studentenbewegung wenigsten Instrumente hätte bieten können, um auf effektivere Weise als es jetzt der Fall ist gegen die repressiven Aktionen des Staates vorzugehen. Wir wollen beim Neustart von der Notwendigkeit der Auseinandersetzung bei kollektiven Anlässen ausgehen, um Antworte in Form von einheitlichen Kämpfen und Mobilisierungen zu geben.
Wir wollen den Wiederaufbau eines kollektiven Weges versuchen, der seine Fundamente auf Werte legt, wie dem Antifaschismus, der Klassenautonomie, dem Kampf gegen die Prekarität und dem Widerstand gegen eine Repression, die uns auf immer bezeichnendere Weise trifft, in dem sie unsere Schwächen wittert und die Grenzen unserer Entschlossenheit.
Wir wollen mit allen Zusammenhängen kommunizieren, die täglich auf all das reagieren und kämpfen, wir wollen ihnen allen eine kollektive Vereinigung und eine Aktionseinheit bezüglich des Termins anlässlich des 10. Jahrestages des G8 in Genua.

AUS DIESEN GRÜNDEN SCHLAGEN WIR DER ANTAGONISTISCHEN BEWEGUNG IN IHRER GESAMTHEIT VOR, DASS SIE FÜR DEN AUFBAU VON DREI ALTERNATIVEN TAGEN ZUM ZEHNTEN JAHRESTAG DES G8 IN GENUA VON SICH AUS IN DEN EINZELNEN REGIONEN MITTE JUNI ABZUHALTENDE LOKALE VOLLVERSAMMLUNGENM ZUR VORBEREITUNG ORGANISIERT. DREI ALTERNATIVE TAGE, IN DIE MOMENTE DER VERSAMMLUNG DER BEWEGUNGEN DER STUDENTEN; DER KRIEGSGEGNER; DER ANTIFASCHISTEN; ANTIIMPERIALISTEN… EINGEPLANT WERDEN, DIE SICH VON DEN MODALITÄTEN, DEN ENTWÜRFEN UND ZIESETZUNGEN HER VON DEN LEEREN SOCIAL FORUMS ZU UNTERSCHEIDEN VERMÖGEN UND IN EINE KÄMPFERISCHE, KOLLEKTIVE STRAßENMOBILISIERUNG MÜNDEN, DIE SICH DER VON DER OFFIZIELLEN ORGANISATION „VERSO GENOVA 2011″ INITIIERTEN PARADE ENTGEGENSETZT.

Es ist der nächste große Anlass, zu dem wir aufgerufen sind. Für uns, ein Anlass, der sämtliche Merkmale des 19. Mai in Turin wie des 14. Dezembers in Rom aufweist. Unsere Hoffnung ist, dass die in Kürze bevorstehenden Julitage auch zur Gelegenheit werden, die Grundlagen neu zu generieren und die kollektive Opposition gegen die täglichen Angriffe, die Staat und Bonzen gegen die Territorien und die auf nationaler Ebene kämpfenden Zusammenhänge durchführen zu stärken. Seit jenen heißen Tagen vor zehn Jahren hat sich eine ganze Bewegung erheblich verändert, eine Nation hat den bitteren Geschmack einer immer entschlosseneren Repression kennen gelernt, die sich immer deutlicher als Polizeistaat abgezeichnet hat und von einer Wirtschaftskrise, die sämtliche Unfähigkeiten dieses Systems offen gelegt hat das, weit entfernt davon, die Probleme der Volksmassen und der Arbeiter zu lösen, primäre Ursache von Ausbeutung, Prekarität, Krieg und Tod ist. Von jenem G8 2001 ausgehend neu zu starten bedeutet, für uns, das Bewusstsein zurück zu gewinnen, dass wir dann die Dinge verändern und Geschichte schreiben können, wenn uns, wie es in jenem Juli geschah, die kollektive Wut bewegt, die keine persönlichen Interessen oder Verbindungen zu den Parteien der offiziellen „Linken“ kennt , die im Palast agiert, sondern auf das Herz und auf die Notwendigkeit hört, eine aktive Rolle in unserer Existenz einzufordern.

Es ist keine Zeit für Mäßigung und Ruhe.
Es ist keine Zeit für „Verständnis“ und Dialog.
Unser unmittelbares Ziel ist der Konflikt, unsere Aufgabe ist es, Subversion zu betreiben.

CAOS ANTIFA GENOVA
RED BLOCK PALERMO

Quelle: http://redblock-it.blogspot.com/2011/06/e-troppo-tardi-per-restare-calmi-verso.html

Für den 20. Juli 2011 wird ausserdem zu einer Demonstration in Rom mobilisiert, siehe http://www.reti-invisibili.net/carlogiuliani/articles/art_15092.html