Archiv für Juni 2011

Aktion in Italien zum Jahrestag

Poster

In der italienischen Stadt Fano fand am 28.Juni eine Infoveranstaltung mit dem Vater von Carlo statt. Dabei wurden Dokumente und Materialien vorgestellt, die aus dem Verfahren gegen Italien vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte stammen.
Die Art und Weise, wie in Italien mit dem bevorstehenden Jahrestag umgegangen wird, widerlegt auch einige Kritiken, die in Bezug auf die Demonstration am 16. Juli in Berlin zu hören waren.
Kritik gab es nämlich daran, eine Person (Carlo) so in den Mittelpunkt zu stellen. Dadurch würde er zu einem Märtyrer erhoben und es wäre angeblich nicht im Sinne seiner Familie ständig mit den Bildern nach dem tödlichen Schuss konfrontiert zu werden.
In Italien gibt es von unterschiedlichen Seiten Bemühungen, zum 10. Jahrestag die Ereignisse von Genua Revue passieren zulassen und daraus auch Erkenntnisse für die Gegenwart zu gewinnen. Der Tod von Carlo Giuliani wird in allen Beiträgen dort als zentrales Thema behandelt und die Familie ist nach wie vor daran beteiligt die Geschichtsschreibung nicht dem Staat zu überlassen. Selbstverständlich sind so auch Fotos in Plakaten verarbeitet, vor denen manche lieber die Augen verschliessen würden.

Veranstaltung in Fano

Streetart für Genua-Demo am 16. Juli in Berlin

In Berlin fallen immer öfter Plakate oder Graffiti ins Auge, die auf die Demonstration zum 10. Jahrestag der Ermordung von Carlo Giuliani hinweisen. In einigen Stadtteilen Berlins sind großformatige Poster erschienen. Auch wurde vermehrt gesprüht. Worum ging es eigentlich in Genua?

Die Proteste gegen den G8 in Genua vom 19. bis 21. Juli 2001 stellten einen Höhepunkt der „Antiglobalisierungsbewegung“ – oder wie sie in Italien passender genannt wird: „Bewegung der Bewegungen“ – dar. Nach monatelanger Mobilisierung in Italien und ganz Europa strömten weitaus mehr Menschen als die Organisatoren erwartet hatten in die ligurische Hafenstadt. Schon am Donnerstag, dem Tag der MigrantInnen, bewegte sich eine Demonstration von 60.000 Menschen durch die weitgehende leere Stadt. Die wenigen verbliebenen EinwohnerInnen, die nicht in den Urlaub gefahren waren und sich auch nicht von der Medienhysterie aus der Stadt treiben ließen, hatten Unterwäsche aus ihren Fenstern gehängt. Eine Reaktion auf eine „Empfehlung“ der Berlusconi-Regierung, die Genueser Bevölkerung möge ihre Wäsche angesichts des hohen G8-Besuchs nicht zum Trocknen heraushängen. Eine solche Anweisung war bereits unter Mussolini an die Bevölkerung von Rom ergangen.
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Was geschah am 20.07.2001 ?

Hier nochmal zwei Videos über den Tod von Carlo:

Aufruf aus Italien

In Italien wird dieser Aufruf verbreitet:

Es ist zu spät, um ruhig zu bleiben

Die Spannung im Land steigt von Tag zu Tag. Der Kampf, den wir leben, verkörpert die gegenwärtigen und zukünftigen sozialen Notlagen, er betrifft die Arbeiter und die Volksmassen, die nicht länger einer solchen Situation unterliegen können. Unsere Würde und unser Stolz bewegen uns in Verbindung mit diesem Bewusstsein dazu, das gesamte System zu bekämpfen. Der Kampf bringt uns dazu, uns mit jedem zusammenzutun, der all das nicht akzeptiert: Studenten, Arbeiter und Arbeitslose, die sich an ein rebellisches Szenario beteiligen.

Wir wollen den Staat und die Bonzen bekämpfen, ohne uns hinter Masken und niederträchtige Absprachen zu verstecken, wie jene, die wir als tägliche Praxis der Gewerkschaften und „linken“ Parteien erleben, die gerade am Zug sind.
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Neues zur Genua Demo am 16.Juli

Am 16.Juli findet in Berlin eine Demonstration zum 10. Jahrestag der Ermordung von Carlo Giuliani statt. Diese Demonstration wird nicht angemeldet und in den nächsten Wochen werden noch einige Aktualisierungen auftauchen

Zur Route der Demonstration:

Der Treffpunkt ist der Lausitzer Platz in Kreuzberg, vor der Kirche. Das Ziel ist der Carlo Giuliani Park an der Ecke Adalbertstraße/ Bethaniendamm.
Die Demonstration soll durch Kreuzberg gehen, weil hier noch eine relativ positive Stimmung zum Anliegen der Demo zu erwarten ist. Wie die Reaktion der Polizei auf eine unangemeldete Demo sein wird ist noch nicht abzusehen. Möglicherweise hat die Polizei kein Problem damit, auf Kosten des von ihr selbst ständig in der Öffentlichkeit verbreiteten Bildes von einer „bürgerfreundlichen und deeskalierenden“ Institution, massive Gewalt anzuwenden um diese Versammlung zu verhindern. In diesem Fall werden rechtzeitig Informationen für Plan B bekannt gegeben. (mehr…)

Remember Carlo Giuliani



Die Erinnerung an Carlo Giuliani lebt auch noch zehn Jahre nach seinem gewaltsamen Tod weiter.

Am 20. Juli 2001 fiel der Schuss, der bei so vielen Menschen auch heute noch Trauer, Wut oder Ohnmacht auslöst. Neben den gewaltsamen Blutorgien der italienischen Polizei und der Folter der inhaftierten Gipfelgegner war der Tod Carlo Giulianis der Höhepunkt der Repression gegen eine junge, sich international organisierende Bewegung aus Menschen unterschiedlichster Spektren. Die Frage, ob die Bilder aus Genua – die neben der Menschenverachtung der Herrschenden auch den Mut und die Entschlossenheit Tausender zeigen – einen Wendepunkt dieser Bewegung markieren oder zu noch mehr Einsatz aufgerufen haben, mag jeder für sich selbst entschieden haben. Dass die Geschichte die wir geschrieben haben und noch schreiben, aber auch immer eng verknüpft ist mit dem Weg, den die herrschende Logik geht, macht die Erinnerung für unsere Zukunft wichtig. Auch für die kommenden Generationen werden die internationalisierte Polizeiarbeit, der europaweit funktionierende Repressionsapparat überhaupt und die Gewaltbereitschaft der Politik gegen Basisbewegungen ihre Relevanz behalten. Carlo ist in diesem Kontext zum Symbol geworden – nicht nur für die, die Genua miterlebt haben, sondern auch für jüngere Menschen, für die Genua reine Geschichte ist.
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Carlo Giuliani Demo am 16. Juli

Für den 16. Juli wird in Berlin zu einer Demo anläßlich des 10. Jahrestages der Ereignisse von Genua mobilisiert. Diese Demonstration soll nicht angemeldet werden. Ist das überhaupt möglich und was würde das bedeuten?
Der Mord an Carlo Giuliani am 20. Juli in Genua war weder Anfang noch Ende der Gipfelproteste und linksradikalen Interventionen auf globaler Ebene. Jedoch war nach den Schüssen alles anders.

Die Proteste gegen ein WTO Treffen in Seattle 1999 gaben einer zu diesem Zeitpunkt siechenden außerparlamentarischen Opposition neues Leben. Der Gipfel in Prag im September 2000 war der Beginn einer europaweiten Vernetzung und Intensivierung kapitalismuskritischer Proteste, die sich nicht mehr auf das friedliche Latschen wie beim G8 1999 in Köln beschränken wollten.

Der Kapitalismus war in eine Legitimationskrise geraten, die mit neuen Widerstandsformen aus Italien medienwirksam verschärft wurde. In diesem Sommer 2001 fand zunächst im Juni der EU Gipfel in Göteburg statt. Eine neue Generation junger Menschen machte die ersten Erfahrungen großer Auseinandersetzungen.

Am 15. Juni geschah das Unerwartete:
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